„Soldin Stahl- und Metallbau“ in Erkrath gerettet

30. Juni 2020

Ratingen / Erkrath, Juni 2020 – Das seit Jahrzehnten in Erkrath verwurzelte Handwerksunternehmen „Soldin Stahl- und Metallbau“ ist saniert. Insolvenzverwalter Peter Mazzotti, Rechtsanwalt und Partner der Sozietät ATN d’Avoine Teubler Neu, meldet die übertragende Sanierung des traditionsreichen Familienbetriebes. Seit 2006 wurde es als im Handelsregister eingetragenes (e.K.) Einzelunternehmen durch Klaus Peter Soldin geführt. Zum 01.07.2020 wird das Unternehmen durch die „Soldin Stahl- und Metallbau GmbH“ fortgeführt.

Sämtliche Arbeitsplätze erhalten – Mit Neueinstellungen in die Zukunft

Im Zuge der Sanierung bleiben alle Arbeitsplätze erhalten. Ab dem 01.07.2020 werden gar zusätzliche Arbeitnehmer in Vollzeit tätig werden, um der Auftragslage gerecht zu werden. Dies erklärte der Geschäftsführer der Erwerberin, Marcel Soldin, im Rahmen des Abschlusses der Übertragungsvereinbarung. Dieser ist nicht nur Sohn des bisherigen Unternehmers, sondern ausgebildeter Facharbeiter (Metallbauer) und seit geraumer Zeit im Betrieb tätig. Und auch der bisherige Unternehmer selbst wird vorerst weiter für die Erwerberin tätig werden. Die Geschäftspartner, Kunden und Lieferanten, können also weiterhin und ohne Reibungsverluste auf die gewohnten Leistungen des Unternehmens zählen, allerdings mit der Gewissheit, dass die Existenz des Unternehmens gesichert und frei von den Altverbindlichkeiten ist.

Forderungsausfälle zwangen Unternehmer in die Knie

Der Insolvenzschuldner sah sich im November 2018 nach Forderungsausfällen in sechsstelliger Höhe und der daraufhin mangels ausreichender Rücklagen fehlender Liquidität gezwungen, am 15.11.2018 Insolvenzantrag zu stellen. Mit Beschluss des Amtsgerichts Wuppertal vom selben Tag, Aktenzeichen 145 IN 671/18, wurde Rechtsanwalt Peter Mazzotti zunächst zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt. Am 01.01.2019 wurde das Verfahren eröffnet.

Mit vereinten Kräften aus der Krise

Das Unternehmen konnte seit Anordnung der Sicherungsmaßnahmen bis dato voll umfänglich fortgeführt werden. Schwierigste Phasen enger Liquidität seit Antragstellung konnte das Unternehmen aufgrund des außerordentlichen Einsatzes der Belegschaft, der umfassenden und engagierten Mitwirkung des Schuldners und nicht zuletzt Dank der Treue und Unterstützung der Geschäftspartner überwinden. „Dafür darf ich Ihnen im Namen aller Beteiligten hiermit meinen ganz herzlichen Dank aussprechen!“ formuliert es Peter Mazzotti in seiner schriftlichen Information für die Beteiligten.

Stets volle Auftragsbücher

Dabei war die Auftragslage – der Vorlauf betrug durchgängig ca. 6-12 Monate und viele Auftragsanfragen mussten aus Kapazitätsgründen abgesagt werden – nie ein Problem, sondern vielmehr Grundstein der ausdauernden Sanierungsbemühungen. Ein Insolvenzplan zur Sanierung des Schuldners samt Unternehmen schied dagegen aufgrund mehrerer Faktoren als Option aus. Frühzeitig im Verfahren waren daher Maßnahmen eingeleitet worden, auf verschiedenen Wegen Investoren zu finden. So wurden ebenso Existenzgründungskandidaten aus der Branche angesprochen wie auch ein der Unternehmensgröße angepasster M&A-Prozess auf der Suche nach strategischen Investoren gestartet. Letzterer hätte nach im Spätsommer 2019 begonnenen Verhandlungen mit einem Interessenten bereits im Frühjahr 2020 beinahe zu einer Sanierung geführt, kam im Ergebnis jedoch auf der Zielgeraden nicht zum Abschluss.

Weil nicht sein kann, was nicht sein darf

Im Angesicht der zu diesem Zeitpunkt mangels Sanierungsalternativen drohenden Liquidation des – sowohl ausweislich der Finanzplanung als auch im Insolvenzverfahren erwiesenermaßen ertragfähigen – Unternehmens ließ sich der Unternehmersohn kompetent beraten, fasste sich schließlich ein Herz und wagte nun den Wechsel von der Arbeitnehmer- auf die Unternehmerseite. Er übernimmt das mit Rückenwind unter vollen Segeln durch nunmehr ruhige Gewässer navigierende Schiff der Unternehmung in voller Fahrt und mit der klaren Vorstellung, weitere Verbesserungsmaßnahmen im laufenden Betrieb zu implementieren und so den Erhalt des Unternehmens dauerhaft zu sichern.

Traditionell hochqualifizierte Facharbeit in der Nische

Das Unternehmen ist seit Jahrzehnten auf dem Gebiet des Stahl-, Edelstahl- und Metallbaus sowie des Brandschutzes tätig und bietet ein umfassendes Leistungsspektrum von der Planung über die Fertigung bis zur abschließenden Ausführung. Klaus Peter Soldin hatte das Unternehmen bereits von seinem Vater übernommen und 2006 die seinerzeitige GmbH im Wege der Umwandlung durch Verschmelzung in die Rechtsform des eingetragenen Kaufmannes überführt. Die Unternehmung bietet keine Massenprodukte und Katalogleistungen an, sondern Individuallösungen und Spezialanfertigungen im Zusammenhang mit der Modernisierung und Sicherung von Bestandsimmobilien und anspruchsvollen Neubauten. Aufträge werden aus dem öffentlichen, gewerblichen und privaten Bereich akquiriert – eine nachhaltig krisensichere Risikostreuung.

Coronakrise – Prävention und Therapie für Unternehmen

7. März 2020

Rechtsanwalt Peter Mazzotti, ATN Rechtsanwälte

Corona – ein „Insolvenza-Virus“? 

Die Welt isoliert sich. Längst stehen nicht mehr nur in China Millionenstädte unter Ausgangssperre. Das Sars-CoV-2 Virus hat die Welt bereits umrundet und die wachsenden Verdachts- und bestätigten Infektionsfälle in Europa und in Deutschland halten Weltwirtschaft und Bevölkerung fest im Würgegriff. Angesichts der Existenz und Verbreitung weitaus ansteckenderer und auch (lebens-)gefährlicherer Viren wäre auf Basis der Letalitätsraten der COVID-19 genannten Krankheit wohl auch keine Wirtschaftskrise herbeizureden. Und doch vernehmen wir nach Schließung gewaltiger Produktionsstätten weltumspannender Unternehmen z.B. aus der Automobilbranche in China auch in Europa und in Deutschland bereits die Schließung öffentlicher Einrichtungen in ganzen Landstrichen und Absagen von Großveranstaltungen. Mehr und mehr untersagen auch Unternehmen ihren Mitarbeitern Dienstreisen oder schicken sie bereits vorsorglich in Quarantäne. Aber auch die Bevölkerung igelt sich ein, isoliert sich und sucht so Schutz vor der – für die allermeisten eher nicht gefährlichen – Erkrankung.

Schutzmaßnahmen sind größte Gefahr für Unternehmen

Paradoxerweise sind genau diese Schutzmaßnahmen eine der größten von dem Virus ausgehende Gefahren für Unternehmen. Lieferketten sind und werden zunehmend unterbrochen. Rohstoffe und Handelsware werden knapp und verteuern sich entsprechend exponentiell. Ferner wird mit der massiven Einschränkung von Reisetätigkeiten, der Absage von Großveranstaltungen und der Meidung gastronomischer Betriebe die Existenzgrundlage der in diesen Bereichen tätigen Unternehmen (z.B. Automobilzulieferer, Fluglinien, Kreuzfahrtreedereien, Messebauer, Hoteliers, Freizeitparks, Erlebnisbäder, Gastronomen und viele andere) in kürzester Zeit vor eine Herausforderung gestellt, die selbst die besten „Prepper“ unter den Unternehmenslenkern kaum aus eigener Kraft zu überstehen in der Lage sein werden. Nicht derart unmittelbar betroffenen Unternehmen droht die Quarantäne der gesamten Belegschaft und damit das Erliegen des Betriebes über mindestens 14 Tage – ggf. auch mehrfach nacheinander.

Flächendeckende Insolvenzgefahr – Betriebswirtschaftliche Maßnahmen regelmäßig nicht ausreichend

Der damit verbundene Einbruch der Umsatzleistung ist zu massiv, als dass Rücklagen, Fördermittel sowie kurzfristig wirksame Kostensenkungsmaßnahmen verhindern könnten, dass das Unternehmen extrem schnell in existenzielle Schwierigkeiten gerät. Lagerbestände sind in Zeiten von just-in-time-Lieferungen de facto nicht vorhanden. Alternative Lieferketten sind nicht schnell genug aufzubauen. Aus China ist bereits eine gewaltige Pleitewelle durch die gesamte Wirtschaft zu vernehmen. Auch in Europa sind bereits erste Airlines, Reedereien insolvent. In Deutschland streichen Luftverkehrsunternehmen 50 % ihrer Flugverbindungen und Messebauer, Gastronome usw. klagen über massive Umsatzrückgänge. Und auch in Deutschland vollzieht sich diese Entwicklung.

Mit Wirtschaftsrecht ans rettende Ufer

Wie kann sich aber ein Unternehmen gegen diese Herausforderungen behaupten? Was ist zu tun, wenn die externen Umstände die Existenz eines an sich gesunden Unternehmens bedrohen? Welche auch wirtschaftsrechtlichen Werkzeuge stehen dem Unternehmenslenker für die Sicherung des Fortbestandes des Unternehmens zur Verfügung? Wichtig kann es hier sein, auf die Werkzeuge zurückgreifen zu können, die ein erfahrener Sanierer und Restrukturierer zur Verfügung hat. Kurzarbeit, Verhandlungen mit den Gläubigern, Anpassungen in den Lieferketten, Gespräche mit den Banken sind nur einige Beispiele. Erforderlich ist ein erfahrenes und bewährtes Krisenmanagement.  Erfahrungsgemäß suchen sich Unternehmen häufig zu spät Unterstützung. Für die meisten ist jetzt noch Zeit, die richtigen Weichen zu stellen um sich gegen die Auswirkungen des Virus zu wappnen, und sei es zur Rettung des Unternehmens in einem gut vorbereiteten und begleiteten Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung mit Insolvenzplan.

Als erfahrene Restrukturierer und Sanierer unterstützen wir Sie gerne dabei.

Insolvenzverfahren BRINKO Werkzeuge Fellermann GmbH & Co. KG

7. Januar 2020

Insolvenzverfahren BRINKO Werkzeuge Fellermann GmbH & Co. KG

Prof. Dr. Peter Neu
Rechtsanwalt Thorsten Kapitza

Gute Nachrichten für das Traditionsunternehmen BRINKO Werkzeuge Fellermann GmbH & Co. KG mit Sitz in Remscheid. Fünf Monate nach dem Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung konnte das Großhandelsunternehmen für Sanitärwerkzeuge an die HAUPA GmbH & Co. KG zum 01.01.2020 veräußert werden.

HAUPA ist ein Großhandelsunternehmen für Elektroinstallationswerkzeuge mit Sitz in Remscheid. Im Rahmen der nun gefundenen Lösung wird HAUPA sowohl den bisherigen Standort von BRINKO erhalten, als auch den Großteil der Arbeitsplätze übernehmen. Hans-Udo Paas und Jens Paas, geschäftsführende Gesellschafter der HAUPA GmbH & Co. KG, äußern sich optimistisch über die gefundene Lösung: „Da die Branchen Elektro und Sanitär immer mehr zusammenwachsen, sehen wir durch die Bündelung der Kompetenzen von BRINKO und HAUPA, ein enormes Wachstumspotenzial in Deutschland, Europa und darüber hinaus.“ Auch der bisherige Geschäftsführer und Gesellschafter von BRINKO, Eberhard Dietrich, ist von der Zukunft der neugegründeten BRINKO GmbH überzeugt: „Die zwei Remscheider A- Marken BRINKO und HAUPA mit ihrem hohem Bekanntheitsgrad, mit der enormen Produkttiefe und -breite bieten einen einzigartigen Vorteil für unsere Kunden in den Branchen Sanitär und Elektro.“

Das Unternehmen wurde eng von den Insolvenzrechtsexperten Prof. Dr. Peter Neu und Thorsten Kapitza, Rechtsanwälte und Partner der Kanzlei ATN d’Avoine Teubler Neu, und den Restrukturierungsberatern Frederik Wittop und Roman Smolni, MONTAG & MONTAG Unternehmensberater, begleitet. Die Aufgabe des vom Gericht bestellten Sachwalters oblag Stefan Conrads, Rechtsanwalt und Partner der Kanzlei PLUTA Rechtsanwälte.

Die BRINKO Werkzeuge Fellermann GmbH & Co. KG war Anfang des Jahres 2019 aufgrund des teilweisen Rückzuges eines langjährigen Kunden in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Das Amtsgericht Wuppertal hatte daraufhin im Oktober 2019 auf Antrag der BRINKO Werkzeuge Fellermann GmbH & Co. KG das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnet. Dies ermöglicht es einem Unternehmen, die Sanierung in Eigenverwaltung durchzuführen und damit während des gesamten Verfahrens die Geschäfte des Unternehmens weiterzuführen. Dieser Prozess ist nun erfolgreich abgeschlossen.

Verkauf des Grossmann-Geländes in Solingen

16. Dezember 2019

Verkauf des Grossmann-Geländes in Solingen

Nach langen Jahren des Sondierens, vieler Bodenuntersuchungen, Verhandlungen mit Interessenten und Abstimmung mit allen Beteiligten, konnte der Insolvenzverwalter Dr. Marc d’Avoine im Dezember 2019 das Grossmann-Gelände verkaufen. Der Dialog mit der Stadt Solingen und dem Erwerber wird weiterhin intensiv fortgeführt. Das Gelände von rund 40.000 qm an der Wittkuller Straße in Solingen- Wald, auf dem früher eine Stahlgießerei stand, wird konstruktiv entwickelt.

Das Insolvenzverfahren wird noch mindestens bis 2022 dauern. Es sind noch einige Fragen in der Abwicklung zu klären und zu regeln. Ob es eine Quote geben wird, steht noch nicht fest.

Das Amtsgericht Wuppertal hatte am 31.03.2019 das Insolvenzverfahren über das Vermögen der C. Grossmann Stahlguss GmbH eröffnet und Herrn Rechtsanwalt Dr. Marc d’Avoine zum Insolvenzverwalter bestellt.

Ein Investor für die Übernahme des laufenden Betriebes einschließlich der Arbeitnehmer/innen konnte nicht gefunden werden, so dass nach Abschluss der Auslaufproduktion im Sommer 2016 die Stilllegung erfolgte.

Insolvenzverfahren beim Amtsgericht Wuppertal, Az.: 145 IN 55/16

Riachtschieko Automotive GmbH & Co. KG mit starkem Investor für Neuausrichtung

5. Juni 2019

Riachtschieko Automotive GmbH & Co. KG mit starkem Investor für Neuausrichtung

 

  • Fortführung durch erfahrenen Investor gesichert
  • Standort Remscheid bleibt als Produktionsstätte erhalten

Ende 2018 geriet das Remscheider Unternehmen Riachtschieko Automotive GmbH & Co. KG, welches auf Stanz- und Stanzbiegeteilen für die Automobilindustrie spezialisiert ist, in Insolvenz. Bereits zwei Monate nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens im April wurde für das insolvente Unternehmen im Rahmen eines Asset-Deals eine Lösung gefunden.

Die Fortführung konnte durch den Verkauf an einen erfahrenen, strategischen Investor gesichert werden. Als besonders positiv ist herauszustellen, dass die Produktionsstätte in Remscheid weiterhin bestehen bleibt. Erfreulich ist zudem, dass durch den Investor ein wesentlicher Teil der Arbeitsplätze erhalten werden kann. Um die Folgen des Arbeitsplatzabbaus für die von Kündigungen betroffenen Mitarbeiter sozial verträglich zu gestalten, erfolgte die Abwicklung in Zusammenarbeit mit einer Transfergesellschaft.

Im Rahmen des Verfahrens wurde der Insolvenzverwalter Rechtsanwalt Prof. Dr. Peter Neu und sein Kollege Rechtsanwalt Thorsten Kapitza von den ATN d’Avoine Teubler Neu Rechtsanwälten beim Verkaufsprozess durch die CVM Capital Value Management GmbH begleitet. So konnten die Vermögenswerte der insolventen Gesellschaft zum 01.06.2019 an die THUN Automotive GmbH, Gevelsberg, im Wege eines Asset-Deals veräußert werden.

Die Sanierung des Unternehmens ist nicht zuletzt deshalb gelungen, weil die Kunden und Mitarbeiter dem Unternehmen in den letzten Monaten, trotz der Insolvenz, treu geblieben sind. So ist es gelungen, das Unternehmen fortzuführen, zu stabilisieren und einen Investor zu finden.

Ansprechpartner:

Thorsten Kapitza
Rechtsanwalt
Elberfelder Str. 39
D-42853 Remscheid
Tel. +49 2191 499 18 0
Fax +49 2191 499 18 50
mail@atn-ra.de
www.atn-ra.de

Über ATN Rechtsanwälte d’Avoine Teubler Neu: ATN ist eine an mehreren Standorten in NRW ansässige Wirtschaftskanzlei, die mit über 100 Mitarbeitern über besondere Expertise im Bereich Restrukturierung und Insolvenzverwaltung verfügt. ATN gehört in diesem Bereich ausweislich der Wirtschaftswoche zu den Top-Kanzleien in Deutschland.

Über CVM Capital Value Management GmbH Die CVM Capital Value Management GmbH mit Sitz in Dortmund gestaltet, begleitet und koordiniert in enger Zusammenarbeit mit ihren Mandanten den gesamten M&A Prozess. Der Fokus liegt auf der Begleitung von mittelständischen Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistung. Ein besonderer Schwerpunkt liegt dabei auf Unternehmen in Umbruch- und Sanierungssituationen sowie in der Fortführung aus der Insolvenz.

Über Riachtschieko Die Riachtschieko Automotive GmbH & Co. KG ist ein renommierter Hersteller von Stanz- und Stanzbiegeteilen. Das Unternehmen fertigt Anbindungselemente, Stecker, Befestigungsteile, Montageteile sowie Schweißbaugruppen für zahlreiche weiterverarbeitende Unternehmen der Automobilzulieferer-industrie.

Müller & Schmidt Pfeilringwerk GmbH & Co. KG wieder auf Erfolgskurs

12. Dezember 2018

Müller & Schmidt Pfeilringwerk GmbH & Co. KG wieder auf Erfolgskurs

 

  • Sanierung in Eigenverwaltung erfolgreich abgeschlossen
  • Pfeilringwerk mit neuem Investor für neue Märkte
  • Standort Solingen bleibt als Produktionsstätte erhalten

Solingen/Essen, 10. Dezember 2018 – Sechs Monate nach Antragstellung beim Amtsgericht Wuppertal auf Sanierung in Eigenverwaltung durch die Müller & Schmidt Pfeilringwerk GmbH & Co. KG ziehen die Beteiligten eine positive Bilanz. Noch im Eigenverwaltungsverfahren wurde Pfeilring mit dem German Brand Award 2018 ausgezeichnet. Im Rahmen des Sanierungsprozesses erfolgte auf Grundlage eines Interessenausgleichs und Sozialplans sowie mit Hilfe einer Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft ein Personalabbau für einen Teil der Beschäftigten. Jetzt kann der Solinger Traditionshersteller von Maniküre- & Pediküre-Artikeln, Messern und Bestecken vermelden, dass ein Investor in das Unternehmen zum 01.12.2018 einsteigt. Der Standort in Solingen mit der Produktionsstätte in der Sudetenstraße bleibt erhalten und mit ihm ein Großteil der Arbeitsplätze (85). Dipl.-Kfm. Joachim Hendrichs, Geschäftsführer der InCase Handels­gesellschaft mbH mit Sitz in Essen, äußerte sich sehr positiv zur Zukunft: „Wir sind überzeugt, dass wir, gemeinsam mit unserem Partner, der NINGBO RAFFINI GROUP, bestens als Investor für die strategische Weiterentwicklung der Marke ,,Pfeilring” geeignet sind. Durch unsere eigene Erfahrung im Markt, unsere finanzielle Leistungsfähigkeit und unsere Stärke im Bereich des Vertriebs sind wir bestens positioniert. Hinzu kommt, dass wir bei den wichtigsten Kunden von Pfeilring bereits gelistet sind und das Geschäft ohne Unterbrechung werden fortsetzen können. Zudem kann die Produktion durch die Herstellung von Schneidwaren für die Raffini-Gruppe ausgelastet werden. Sehr froh sind wir auch darüber, dass  Dipl.-Ing. Torsten Korb als Geschäftsführer weiterhin mit an Bord bleibt und das Geschäft mit uns gemeinsam weiter entwickelt. Seine sowie die Produktionserfahrung der NINGBO RAFFINI GROUP sind Garant für eine schnelle Fortentwicklung und Expansion von Pfeilring.

Das Unternehmen wurde eng von der Insolvenzrechtsexpertin Marion Gutheil, Rechtsanwältin und Partnerin bei Mönning Feser Partner, und dem Sanierungsberater Dr. Thomas Paul, SSC Corporate Recovery, begleitet. Die Aufgabe des vom Gericht bestellten Sachwalters oblag Prof. Dr. Peter Neu, Rechtsanwalt und Partner der Kanzlei ATN d’Avoine Teubler Neu.

Trotz hervorragender Produkte war eine finanziell angespannte Unternehmenssituation entstanden. Grund dafür war ein verzögerter Anlauf neuer Fertigungsprozesse und größerer, zu finanzierender Neuprojekte. Das Amtsgericht Wuppertal hatte daraufhin im September 2018 auf Antrag der Müller & Schmidt Pfeilringwerk GmbH & Co. KG das Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnet. Dies ermöglicht es einem Unternehmen, die Sanierung in Eigenregie durchzuführen und damit während des gesamten Verfahrens die Geschäfte des Unternehmens weiterzuführen. Dieser Prozess ist nun erfolgreich abgeschlossen.

Über InCase Handelsgesellschaft mbH und NINGBO RAFFINI IMPORT & EXPORT Co. Ltd.:

InCase GmbH ist ein mittelständiges Handelsunternehmen das europaweit Beauty- u. Kosmetikprodukte an führende Vertriebspartner aus den Bereichen Warenhaus ,Drogeriemärkten ,LEH vertreibt oder über seine eigene 80 Mitarbeitern starke Vertriebsschiene  im Rahmen von Shop in Shop oder Concept Stores vertreibt, die RAFFINI Group ist weltweit tätiger Produzent und Distributeur  von innovativen Beauty Tools und Accessoires  ,die grösstenteils von seinen mehr 3500 Mit- arbeitern in eigenen Produktionsstätten hergestellt werden . 

Über ATN d`Avoine Teubler Neu Rechtsanwälte:

ATN ist eine an mehreren Standorten in NRW ansässige Wirtschaftskanzlei, die mit über 100 Mitarbeitern über besondere Expertise im Bereich Restrukturierung und Insolvenzverwaltung verfügt. ATN gehört in diesem Bereich ausweislich der Wirtschaftswoche zu den Top-Kanzleien in Deutschland. 

Über Mönning Feser Partner:

Marion Gutheil ist Partnerin am Standort Düsseldorf der bundesweit tätigen Kanzlei Mönning Feser Partner, die seit mehr als 35 Jahren im Bereich der Insolvenzverwaltung und Sanierungsberatung erfolgreich ist und zu den renommiertesten Kanzleien in diesem Bereich zählt.

Über SSC Corporate Recovery GmbH:

Dr. Thomas Paul ist Geschäftsführer und Partner der SSC Corporate Recovery GmbH/Köln und begleitet seit mehr als 10 Jahren vorrangig inhabergeführte mittelständische Unternehmen erfolgreich in der Sanierung und Betriebsfortführung durch ein Insolvenz(plan)verfahren.

 

Zanders: Übernahme zum 1. Dezember, Produktion ist gesichert

30. November 2018

Insolvenz Zanders GmbH, AG Köln 75 IN 232/18 (896/18-K)

Pressemitteilung Zanders GmbH

Zanders: Übernahme zum 1. Dezember, Produktion ist gesichert

Unternehmensgruppe mit Terje Haglund übernimmt mit neuer „Zanders-Paper GmbH“ Standort in Bergisch Gladbach

Bergisch Gladbach, 29. November 2018. Zanders wird auch in Zukunft hochwertige Spezialpapiere und   -kartons produzieren. Das Unternehmen wird zum 1. Dezember 2018 von der neuen „Zanders-Paper GmbH“ übernommen. Dr. Marc d’Avoine, Insolvenzverwalter bei Zanders, gab heute den erfolgreichen Abschluss der Verhandlungen bekannt: „Wir freuen uns, dass die Übernahme durch Papier-Profis erfolgen wird, die bereits äußerst erfolgreich in der Branche tätig sind. Die Fortführung der Papierproduktion bei Zanders ist damit gesichert. Alle Know-how-Träger bleiben an Bord.“

Terje Haglund und sein Team werde sich in Kürze der Öffentlichkeit vorstellen, so der Insolvenzverwalter. Die Übernahme durch einen bereits in der Papierproduktion tätigen Partner sei in jedem Fall die bestmögliche Lösung für Zanders: „Durch das Know-how auf beiden Seiten sind sehr gute Voraussetzungen dafür geschaffen, dass der Standort Bergisch Gladbach langfristig gesichert ist.“

Der Betrieb wird mit rund 300 Mitarbeitern weitergeführt, rund 150 Mitarbeiter werden das Unternehmen verlassen müssen. Für die Betroffenen wird eine Transfergesellschaft die Folgen sozial verträglich gestalten durch die Fortzahlung eines Großteils des Lohns für sieben Monate sowie Unterstützung bei der Jobsuche. Zudem bieten der Betriebsrat und vor allem die Stadt Bergisch Gladbach viel Hilfe an, u. a. durch eine Jobbörse, auf der lokale Unternehmen ihre offenen Stellen präsentieren und direkt persönliche Gespräche geführt werden können.

Über Zanders

Zanders ist ein deutscher Hersteller hochwertiger Spezialpapiere und -kartons für Etiketten, Verpackungen und grafische Anwendungen. 1829 durch Johann Wilhelm Zanders in Bergisch Gladbach gegründet, betreibt das Unternehmen dort noch heute die Papierfabrik Gohrsmühle mit rund 500 Mitarbeitern. Das Portfolio umfasst hochglänzende Etikettenpapiere und Premiumkartonqualitäten der Traditionsmarke Chromolux, eine der weltweit führenden Papiermarken, sowie hochwertige Qualitäten mit extra glatter oder natürlich rauer Oberfläche. Sie umfassen die Etikettenpapiere Zanlabel sowie die Verpackungskarton-Qualitäten Zanpack. Speziell für den Digitaldruck bietet Zanders das Premiumsortiment der Marken Chromolux digital und Silver digital sowie Zanjet, ein zweiseitig gestrichenes Papier für den kommerziellen Inkjet-Druck im Hochgeschwindigkeitsbereich. Das Portfolio wird abgerundet durch Zanbarrier, das Barrierepapier für flexible Lebensmittelverpackungen, das in den Varianten Zanbarrier OGR (Oil and Grease Resistant) und Zanbarrier NGR (Natural Grease Resistant, Barrierefunktion also völlig ohne Fluorcarbon oder andere Chemikalien) verfügbar ist. Kunden des Unternehmens sind Hersteller von Getränken wie Spirituosen, Sekt, Wein, Bier oder Wasser, Lebens- und Genussmitteln, Tabakwaren, Pharma- und Kosmetikprodukten.

Für weitere Informationen wenden Sie sich bitte an:

Zanders

Tobias Müller
Marketing Manager
An der Gohrsmühle
51465 Bergisch Gladbach
T +49 (0)2202 15-6662
tobias.mueller@zanders.com
www.zanders.com

Press Office Zanders

c/o MuthKomm
Anika Nicolaudius
Hopfensack 19
20457 Hamburg
T +49 (0) 40 3070 70720
anika.nicolaudius@muthkomm.de

 

Neues zum „außergerichtlichen Restrukturierungsrahmen“

7. September 2018

Neues zum „außergerichtlichen Restrukturierungsrahmen“

EU-Kommission 2016: Neue Richtlinie zum „Restrukturierungsrahmen

Am 22.11.2016 legte die Europäische Kommission den lange erwarteten Richtlinienvorschlag COM(2016) 723 zum (präventiven) Restrukturierungsverfahren vor. Dieser enthält u.a. einen Vorschlag zur zweiten Chance und zu Maßnahmen zur stärkeren Effizienz von Restrukturierungs-, Insolvenz- und Entschuldungsverfahren. Mit dem deutschen Gesetz ist zwischen 2019 und 2022 zu rechnen.

Der Entwurf für eine Richtlinie ist ein Baustein der EU zur Schaffung einer Kapitalmarktunion und zur Harmonisierung der nationalen Insolvenzrechte. Divergenzen stören den Kapitalmarkt. Deutschland hat insoweit kein Defizit, anders als manche EU-Mitgliedstaaten; gleichwohl muss die EU auch von Deutschland die „Harmonisierung“ fordern, nicht nur bezüglich der Insolvenzverfahren und der -systeme.

Der EU-Vorschlag für die Richtlinie schreibt einen präventiven Restrukturierungsrahmen vor. Trotz der weiterhin autonomen und unterschiedlichen (materiellen) Insolvenzrechte der Mitgliedstaaten soll zumindest auf der Ebene der vorinsolvenzlichen Verfahren in der EU ein weitgehend angeglichenes System geschaffen werden.

Die deutsche Insolvenzordnung incl. des „modernen“ ESUG-Verfahrens bietet bereits eine Reihe von Bausteinen für die Sanierung, allerdings nur im geordneten gerichtlichen Verfahren. Außergerichtlich wird es anders laufen. Markante Punkte sind:

  1. Ein vorinsolvenzliches Verfahren findet „gerichtsarm“ statt, vor allen Dingen „vor“ einer Insolvenz. Insolvenz soll gerade abgewendet werden.
  2. Es müssen nicht alle Gläubiger teilnehmen. Betroffen sind Gläubiger nur, soweit in deren Rechte durch den Restrukturierungsplan eingegriffen werden soll.
  3. Die Vermögenswerte (Aktiva) stehen nicht zur Behandlung an. Der Restrukturierungsplan soll nur Gläubigerrechte regeln. Daher wird lediglich die Passiv-Seite der Bilanz beeinflusst und ggf. gestaltet („Balance Sheet Restructuring“).

Wer verwaltet wen?

In der Eigenverwaltung gemäß § 270 ff. Insolvenzordnung gibt es bereits die Figur des „Sachwalters“. Im Restrukturierungsverfahren dürfte das der „Restrukturierungsverwalter“ oder „Experte“ werden. Aber die Bestellung eines Sanierungsexperten durch ein Gericht ist nicht zwingend, wenngleich in der Praxis zu erwarten. Denn der Plan soll ja Gläubigerrechte, somit Verbindlichkeiten regeln. Daher soll ein Experte bestellt werden, wenn ein Moratorium in Rede steht oder der Plan die Überstimmung von Gläubigergruppen vorsieht („Cross-class Cram-down“).

Schwächen des Unternehmens sind und bleiben Gegenstand operativer Behandlung durch die Geschäftsführer oder das Management insgesamt, ggf mit Beratern. Der Restrukturierungsplan greift dort nicht ein.

Restrukturierungsplan als Kernstück

Kernstück der Sanierung ist der Restrukturierungsplan. Er kennt wie der Insolvenzplan Gläubigergruppen, deren Zusammensetzung durch das Gericht anlässlich der notwendigen gerichtlichen Bestätigung überprüft wird. Anteilsinhaber bilden eine eigene Klasse. Das Quorum in den Klassen soll nicht mehr als 75% betragen. Der Plan benötigt immer gerichtlicher Zustimmung, wenn in Gläubigerrechte eingegriffen oder dem Unternehmen eine neue Finanzierung zur Verfügung gestellt wird. Messlatte für die gerichtliche Bestätigung ist zunächst nur das Liquidationsszenario. Im Vergleich zu diesem darf niemand schlechter gestellt werden.

Soweit sich nicht in allen Klassen eine Mehrheit findet, kann der Plan auch durch die Mehrheit der Gruppen angenommen werden. Hierzu muss u.a. sichergestellt werden, dass die Gläubiger bei Heranziehung des Unternehmenswertes, der durch gerichtlich zu bestellende Experten zu ermitteln ist, nicht schlechter gestellt werden. Der Plan bindet nur einbezogene Gläubiger. Der Entwurf sieht zwar Rechtsmittel gegen die Planbestätigung vor, indes ohne aufschiebenden Effekt.

Schutz von „Fresh Money“

Zur Förderung von Sanierungen soll „Fresh Money“ vor Anfechtung geschützt sein. Ein höchstrichterliches Sanierungsprivileg ist zwar schon gegeben, da dies aber – in der Rückschau – an oft schwer nachvollziehbare Bedingungen geknüpft wird („hindsight bias“), will der Entwurf wohl für konkrete Rechtssicherheit der Beteiligten sorgen. Das „neue“ Geld soll zudem vor den regulären, ungesicherten Gläubigern rangieren; diese Senior-Position darf nur nicht betrügerisch erschlichen sein.

Keine Gläubigerschädigung sollen zudem folgende jeweils angemessene Zahlungen bzw. Transaktionen darstellen:

  • Kosten für die Verhandlung, das Aufsetzen, die Bestätigung und die Implementierung des Restrukturierungsplanes;
  • Kosten professioneller Beratung zu allen Aspekten des Restrukturierungsplanes;
  • Mitarbeitergehälter und Löhne für erbrachte Arbeitsleistungen;
  • Zahlungen und Ausgaben im üblichen Geschäftslauf;

Transaktionen bezüglich „neuen“ Geldes und andere außerordentliche Transaktionen, soweit im engen Zusammenhang mit dem Restrukturierungsplan, ggf. mit dem Erfordernis der Zustimmung eines Gerichtes oder Sanierungsexperten.

Abläufe im Europäischen Parlament und EU-Rat und Umsetzung ins deutsche Recht

Das Europäische Parlament muss den Rat beteiligen, der letztlich dem Entwurf zur verbindlichen Richtlinie zustimmen muss. Dann haben die Mitgliedstaaten noch zwei Jahre zur Umsetzung.

Die die meisten EU-Mitglieder hatten den Vorläufer der Richtlinie, die „Empfehlung der Kommission vom 12.3.2014 (C(2014) 1500 final) für einen neuen Ansatz im Umgang mit unternehmerischem Scheitern und Unternehmensinsolvenzen“ bereits zum Anlass genommen, im jeweiligen Land ein vorinsolvenzliches Sanierungsverfahren einzuführen bzw. Reformvorhaben einzuleiten. Das Bundesjustizministerium (BMJV) aus den Erkenntnissen der „Evaluierung des Gesetzes zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen“ („ESUG“) wird vermutlich noch vor Inkrafttreten der Richtlinie einen Entwurf. Bis 2020 dürfte es eine deutsche Variante eines vorinsolvenzlichen Verfahrens geben.

August 2018: Rechtsausschuss des Europaparlaments beschließt zum Richtlinienentwurf über den präventiven Restrukturierungsrahmen

Der Standpunkte des Europäischen Parlaments war lange Zeit kontrovers diskutiert worden. Die Parlamentarier der einzelnen Mitgliedsstaaten waren durchaus unterschiedlicher Auffassung. Im August 2018 wurde indes Einigkeit erreicht. Die vom Rechtsausschuss des Europäischen Parlaments beschlossenen Änderungsanträge zum RLE über präventive Restrukturierungsrahmen wurden mit Bericht vom 21.08.2018 veröffentlicht.

Der Rechtsausschuss des Europäischen Parlaments hat im Hinblick auf die Vorstellungen der Europäischen Kommission erheblichen Änderungs-, bzw. Konkretisierungsbedarf am ursprünglichen Richtlinienvorschlag. Diverse Kritikpunkte verschiedener Regierungen, Verbände und Organisationen wurden berücksichtigt.

Die wichtigsten Änderungsanträge des Rechtsausschusses betreffen:

  • Konkretisierte Begriffsbestimmungen (Schuldner, Unternehmer, drohende Zahlungsunfähigkeit usw.)
  • Anhebung der Eingangsvoraussetzungen zum Verfahren (keine Zahlungsunfähigkeit)
  • Stärkere Einbindung von Gerichten und Verwaltern (insolvency-praticioner usw.)
  • Strengere Voraussetzungen für Moratorien (bereits zahlungsunfähige Unternehmen sollen über den Regelungsrahmen nicht weiter Zahlungsaufschübe erhalten können)
  • Abschwächung der Rechtsfolgen von Moratorien (kein dauerhaftes Entziehen vom Zugriff der Gläubiger)
  • Erhöhte Anforderungen an Restrukturierungspläne (Praxis der Insolvenzpläne in Unternehmensinsolvenzen)
  • Erhöhte Anforderungen an die Abstimmung über Restrukturierungspläne (Gefahr des cram-down von Gläubigern, auch über die Gruppen hinweg)
  • Änderungen bei der Bestätigung von Restrukturierungsplänen (das obliegt dem Gericht)
  • Erhöhte Anforderungen beim klassenübergreifenden Cram-Down (Mindestmaß an Gläubigerschutz.)
  • Erweiterung von Aufgaben und Pflichten der Unternehmensleitung (nur geeignete Unternehmen mit kompetenten CEO sollen das Privileg der außergerichtlichen Sanierung erhalten)
  • Verschärfung der Entschuldungsfrist für redliche Unternehmer
  • Weitere Privilegierung von Arbeitnehmern

Im Ergebnis greift das Europäische Parlament div. Hinweise und Kritik aus den Mitgliedsstaaten auf. Über „Öffnungsklauseln“ haben alle nationalen Gesetzgeber erweiterten Handlungsspielraum. Auch die Bundesrepublik Deutschland wird nationale Regelungen schaffen.

Weitere Abläufe bis zur Endfassung der Europäischen Richtlinie

Die Europäische Union ist weiter aktiv. Die Verhandlungen im Rat der Europäischen Union dauern an. Im Mai 2018 hatte sich der Rat auf eine sogenannte „partielle allgemeine Ausrichtung“ geeinigt. Die Teileinigung betraf die Regelungen der „zweiten Chance“, d.h. das Thema der Restschuldbefreiung, sowie die Maßnahmen zur Steigerung der Effizienz von Restrukturierung,- Insolvenz- und Entschuldungsverfahren und deren Monitoring.

Inzwischen hat die Bundesrepublik Österreich den Ratsvorsitz. Seit 1. Juli 2018 werden die Regelungen zu präventiven Restrukturierungsrahmen im Rat weiter verhandelt. Das Ergebnis wird im Oktober 2018 erwartet. Anschließend folgt die Abstimmung zwischen Europäischen Parlament, Rat und Kommission.

Die Endfassung der Richtlinie wird in der ersten Hälfte 2019 erwartet. Danach beginnen die Umsetzungsarbeiten in den Mitgliedsstaaten.

Fazit: der Europäische Restrukturierungsrahmen kommt – das deutsche Gesetz auch

Der neue Restrukturierungsrahmen nach dem RL-Entwurf kommt sicher. Er kann eine umfassende Insolvenz mit ihren Gestaltungsmöglichkeiten nicht ersetzen. Dabei kommt er aber mittels – optionalem – Moratorium deutlich robuster daher als sein Vorbild, das Englische Scheme of Arrangement. In einfachen Fällen, bei denen wenig aktiver Widerstand zu erwarten ist, kann das Verfahren durchaus „still, schlicht und schnell“ ablaufen. „Akkordstörer“ können ggf. durch einen gerichtlich ebenfalls bestellbaren Mediator eingefangen werden. In der robusten Variante kann aber auch in einem zeitlich begrenzten Rahmen unterstützt durch Moratorium und Haftungsprivilegien geschützt und durch eine Art Sachwalter kontrolliert, saniert werden.

Die Kommission ist auf dem Weg zu einer Verbesserung der Rahmenbedingungen für Sanierungen nicht den Weg der Haftungsverschärfung gegangen, sondern will Anreize setzen, bei Nutzung des Sanierungsrahmens im Vorfeld der Insolvenz – und unter gerichtlicher Aufsicht wohlgemerkt – rechtssicher und geschützt sanieren zu können.  Das Verfahren wird komplex. Rechtssicherheit ist und bleibt wichtig. Schutz und Kontrollfunktionen müssen eingeführt werden, ohne zu Lasten der Effizienz zu gehen. Das ist die Aufgabe der Richtlinie, welche in 2019 Parlament und Rat passieren soll.

Insolvenz Zanders GmbH: Restrukturierungsweg wird fortgesetzt

28. Juni 2018

Insolvenz Zanders GmbH, AG Köln 75 IN 232/18 (896/18-K) dA
Pressemitteilung Zanders I

1. Pressemitteilung Zanders GmbH

Insolvenz Zanders GmbH: Restrukturierungsweg wird fortgesetzt

Nach dem Antrag der Geschäftsführung der Firma Zanders GmbH auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens hatte das Amtsgericht Köln am 22.06.2018 Rechtsanwalt Dr. Marc d’Avoine zunächst zum Gutachter und nachfolgend zum vorläufigen Insolvenzverwalter im Insolvenzeröffnungsverfahren Zanders GmbH bestellt. Zudem sind Zwangsvollstreckungsmaßnahmen untersagt.

Der Restrukturierungsweg wird fortgesetzt. Der Sanierungs-Geschäftsführer Igor Ferlan und externe Berater leiten die Firma Zanders im Verbund mit RA d’Avoine und seinem Team. Alle Beteiligten sind optimistisch, für Zanders eine stabile Zukunft erreichen zu können.

1829 gründete Johann Wilhelm Zanders das Unternehmen in Bergisch Gladbach. Auch heute betreibt Zanders dort noch die Papierfabrik Gohrsmühle. Die Antragstellerin war bis Ende der 80er Jahre ausschließlich ein Anbieter von Spezialpapieren. Ab 2012 erfolgte eine Umorientierung auf den Bereich der graphischen Massenpapiere. Überkapazitäten im Papiermarkt und die voranschreitende Digitalisierung führten zu einem erheblichen Preisverfall von Papierprodukten. Zudem waren die Ein-Produktstrategie, unterausgelastete Maschinen, eine überdimensionierte Infrastruktur und Abwanderung von Fachkräften wesentliche Ursachen der Krise des Unternehmens.

Nach Akquise des Unternehmens durch die aktuelle Gesellschafterin mutares AG im Mai 2015 konnten auch mit Unterstützung der Mitarbeiter wichtige Sanierungserfolge erzielt, ein erheblicher Teil des Investitions- und Reparaturstaus beseitigt sowie Prozessabläufe deutlich verbessert werden. Trotz eines Umsatzwachstums 2015 bis 2017 um jeweils durchschnittlich 12 Prozent wirkten Preissteigerungen der benötigten Rohstoffe (Zellstoff, Chemikalien und Kohle für das unternehmenseigene Kraftwerk) auf dem Weg zur Sanierung negativ. Allein in den vergangenen 12 Monaten sind die Kosten dieser Rohstoffe um mehr als 40 % gestiegen.

Die Gegenstände des Anlagevermögens der Firma Zanders werden zurzeit sachverständig erfasst und bewertet. Parallel wird eine Inventur durchgeführt. Ansprüche werden aufgenommen, untersucht und bewertet, was noch Wochen in Anspruch nehmen wird. Die Arbeiten an dem Businessplan und dem Sanierungskonzept laufen, mit einem ersten Zwischenergebnis ist Ende Juli 2018 zu rechnen. Die mutares AG unterstützt weiter die Restrukturierung im Sinne aller Beteiligter.

Löhne und Gehälter gesichert

Zurzeit beschäftigt Zanders gut 500 Mitarbeiter und 22 Auszubildende. Der Geschäftsbetrieb wird vollumfänglich fortgeführt, um die Möglichkeiten für eine Sanierung zu erhalten. Geschäftsleitung und Belegschaft sowie wesentliche Lieferanten und Kunden haben bereits Unterstützung bei der Fortführung und der Sanierung signalisiert. Löhne und Gehälter sind über das Insolvenzgeld bis einschließlich August 2018 gesichert. Über weitere Erkenntnisse und Schritte informieren wir in Kürze.
Insolvenzantragsverfahren beim Amtsgericht Köln, Az.: 75 IN 232/18

Pressekontakt :
Tobias Müller, Zanders Unternehmenssprecher
tobias.mueller@zanders.com, +49 174 / 349 49 28

Sanierung der Müller & Schmidt Pfeilringwerk GmbH & Co. KG

14. Mai 2018

 
• Vorläufige Eigenverwaltung angeordnet
• Sanierungskonzept und Erhalt des Unternehmens sind Ziele des Verfahrens

Solingen, 10.05.2018 – Das Amtsgericht Wuppertal hat am 09.05.2018 auf Bitten Müller & Schmidt Pfeilringwerk GmbH & Co. KG die vorläufige Eigenverwaltung angeordnet. Dies ermöglicht es dem Unternehmen, eine Sanierung in Eigenregie durchzuführen und damit während des Verfahrens, das Gesellschaftsvermögen weiterhin zu verwalten und darüber zu verfügen.

Das über 120 Jahre alte Solinger Traditionsunternehmen Pfeilring hat sich entschieden ein Planverfahren in Eigenregie zu beantragen, um sich neu aufzustellen. Schon in den vergangen Jahren hat die Pfeilring-Mannschaft erhebliche Anstrengungen unternommen, um sich fit zu machen. Insbesondere in der Produktion konnten zahleiche Innovationen und Modernisierungen umgesetzt werden. Und zwar trotz diverser Rückschläge. Nichts destotrotz stehen grundlegende Strukturänderungen im Verbindung mit weiteren kräftigen Investitionen an, um im Wettbewerb nachhaltig zu bestehen. Eine geplante Finanzierung ist nun überraschend nicht zum Tragen gekommen, deshalb wurde das Planverfahren am 8.5.2018 durch die Geschäftsleitung beantragt und durch das Amtsgericht Wuppertal am 09.05.2018 beschlossen.

Im vorliegenden Verfahren wurde der erfahrene Rechtsanwalt, Prof. Dr. Peter Neu von der Kanzlei ATN d’Avoine Teubler Neu, zum vorläufigen Sachwalter von Seiten des Gerichtes bestellt. Mit der nötigen professionellen Unterstützung des Restrukturierungsteams um Herrn Jürgen Kullmann und der Bevollmächtigten der Müller & Schmidt Pfeilringwerk GmbH & Co. KG, Frau Rechtsanwältin Marion Gutheil von der Kanzlei Mönning Feser Partner aus Düsseldorf, soll der Turnaround bis zum Herbst gelingen. So wird das Unternehmen auch interessant für Investoren, so der langjährige Geschäftsführer Torsten Korb. Der Geschäftsbetrieb und die Produktion werden uneingeschränkt fortgeführt.

Über Prof. Dr. Peter Neu

Prof. Dr. Peter Neu, Rechtsanwalt und Fachanwalt für Insolvenzrecht, wird von den Insolvenzgerichten Wuppertal, Köln und Hagen zum Gutachter, Sachwalter und Insolvenzverwalter bestellt. Schwerpunkte seiner Tätigkeit sind die Sanierung und Restrukturierung von Unternehmen aus den Branchen Schneidwaren, Automotive, Kunststoff- und Metallverarbeitung sowie Bau und Chemie. Dr. Peter Neu ist Lehrbeauftragter der FOM Hochschule für Ökonomie und Management für die Bereiche Insolvenzrecht und Wettbewerbsrecht und zertifiziertes Mitglied im VID e.V.

Pressekontakt:

Rechtsanwalt Thorsten Kapitza